Sehr dünnes Nervenkostüm - bitte Hilfe

Hallo!
Ich bin eigentlich eher eine stillere Mitleserin hier im Forum. Aber diesmal brauch ich bitte dringend Hilfe und/oder Inputs von euch!

Ich bin Mutter eines 4jährigen Sohnes, verheiratet, berufstätig, eigentlich alles ganz normal.

Nur ich bin derzeit total überfordert. Ich kann einfach nicht mehr mit meinem Sohn. Ich war schon 2x kurz davor, dass ich zuhauen wollte. Ich hab gottseidank nicht zugeschlagen, bin aber so erschüttert vor mir selbst, dass ich so kurz davor war! Das ist eigentlich gar nicht meine Art!
Mein Nervenkostüm ist derzeit soooo dünn. Sohnemann folgt derzeit leider so gut wie gar nicht, ich schimpfe und schreie fast ununterbrochen (zumindest kommt es mir so vor).

Heute z.B. beim Kindergartenabgeben: Er wollte keine Schuhe anziehen, die ersten Treppen sind aber so "stichig", also barfuß nicht toll. Ich hab ihn dann gepackt, weil er nicht weitergehen wollte und er hat mir dann nur an meinem Shirt gerissen und es auch dreckig gemacht (toll.... fahr ja nur direkt in die Arbeit) und ich hab ihn dann halt angeschrien und geschimpft. Er hat auch gejammert, dass ich ihn zu fest halte. Warum mach ich das? Ich will ihm doch nicht wehtun oder anschreien?

Habt ihr Tipps, wie ich wieder "liebevoller" werden kann? Ich sitz jetzt grad in der Arbeit und hab so ein schlechtes Gewissen!

Kommentare

  • NastyNasty

    Posts: 5,451

    Mhh, naja wegen Dingen wie Schuhe reg ich mich nicht mehr auf. Vielleicht etwas mehr Zeit einplanen, sie mitnehmen. Wenn er dann nicht weitergehen mag weil es piekst hat er ja die Chance die Schuhe doch noch anzuziehen.
    Meine Jungs werden im September 4, testen gerade auch ihre Grenzen aus und würden mich in den Wahnsinn treiben wenn ich alles so auf die Waagschale leg.
    Ich würde dir ja gern Hoffnung vermitteln das es besser wird, aber es kommen dann halt wieder andere Phasen. Sag da nur Wackelzahpupertät so um den 6. Geburtstag rum.
    Gib deinem Sohn die Möglichkeit sich zu entscheiden.
    Die Schuhe jetzt anziehen oder die anderen später oder oder. Mit 4 glauben sie alles zu wissen und zu können. Gib ihm die Chance entscheidungen treffen zu dürfen und seine eigenen Grenzen zu entdecken.

    Folgen ist so ein seltsames Wort. Wenn ich sag geht Zähne putzen, würde ich Kämpfe führen bis zum Umfallen. Wenn ich es anders formuliere: Wer will als erster schöne Zähne haben oder kannst du mir zeigen wie du putzt klappt das schon eher.
    Die Kids nehmen irgendwann keine Befehle mehr entgegen, reagieren aber auf Bitten oder selbst getroffene Entscheidungen durch Erklärungen.

    Kopf hoch. Viel Geduld wünsch ich dir.
    Wenn es gar nicht mehr geht, bevor Gewalt ins Spiel kommt vielleicht das Gespräch mit einer Familienhilfe suchen.
  • Danke Nasty!
    Ich werds mal wieder auf die spielerische Weise versuchen oder ihm Entscheidungen vorgeben. Vielleicht hilt das dann.
    Ich seh ja nicht mal wirklich das "Problem" bei ihm... sicherlich folgt er oft nicht und testet seine Grenzen, aber im Grunde ist er ja ein sehr braver, freundlicher, gut erzogener Junge!
    Ich komm hauptsächlich mit meiner Gereiztheit und meiner explosiven Laune wie schimpfen, schreien.... nicht klar. So bin ich eigentlich nicht und so kenn ich mich auch nicht!
    Aber ich hab schon gesehen, ich muss viel mehr an mir arbeiten!
  • NastyNasty

    Posts: 5,451

    Vielleicht hilft dir persöhnlich schon ein Bad in Ruhe oder ein Nachmittag ohne Kind ?
    Versuch dir ein paar Stunden in der Woche für dich zu gönnen.
    Viele brauchen das und nehmen sich die Zeit.
  • PoninePonine

    Posts: 329

    Ich hab mir angewöhnt, wenn ich merke, dass sich eine Situation/ Streit zuspitzt, bzw ich explodieren könnte, ganz simpel ein ganz monotones Lied, leise zu singen, oder zu summen. "Schlaf Kindlein Schlaf", eignet sich bei mir da sehr gut.
    Ich fokusiere dann auf den ganz einfachen Text, bis meine Nerven wieder besser sind.
    Ausserdem passt es meist nicht zur Situation, was es oft widerum grotesk und lustig macht.
    Oft müssen Zwergin und ich dann auch lachen, was dann auch sehr hilft.

    Ausserdem hab ich meiner Zwergin mehrere Bücher über Gefühle und Wut/ Ärger gekauft.
    Die lesen wir gemeinsam und ich hab mir auch schon Tipps daraus abgeschaut.
    Wutmännchen ZB, oder das "Umblasen", oder Papierballschlacht, kann ich da sehr empfehlen, auch wenn man als Erwachsener nicht mehr weiß, wohin mit seinen Gefühlen.
  • @Semmal Herzlich Willkommen in der Welt der 4 jährigen. Hört angeblich nicht mehr auf, bis sie ausgezogen sind und wir es einfach nur nicht mehr ständig merken... :sweat_smile:

    Ich hab begonnen, sie ihre Erfahrungen machen zu lassen. Letztens wollte sie mal wieder keine Schuhe anziehen beim Abholen und 36 Grad Aussentemperatur. HA. Hat genau 3 Meter am Asphalt gedauert bis sie sich ihre Sandalen angezogen hat.
    Und ja, mein Kind hat Spaß Grenzen auszutesten. Im Moment ganz stark. Da muss ich mich selbst immer wieder daran erinnern ihr einfach zu sagen, daß auch ich meine Grenze habe und es nicht alles gibt was ihr gerade in den Sinn kommt (also 3 Eis und danach noch Schokolade und den ganzen Nachmittag fernsehen).
    Aber das ist auch harte Arbeit an und mit mir selbst, damit meine Nerven nicht so schnell w.o. geben und ich länger ruhig bleiben kann.
    Such dir echt Ruheinseln am Tag.
    Wenn mein Vormittag anstrengend oder stressig war, dann darf Kind auch mal ne halbe Stunde fernsehen nach dem KiGa damit ich in Ruhe Kaffee trinken kann und dann wieder Nerven für spielen und co.
    Wie Mama's müssen uns manchmal einfach auch selbst wichtiger nehmen, glaube ich. <3
  • @Semmal Ich hatte auch oft das Gefühl "unnötig" enorm zu explodieren. Nicht mehr aus mir raus können. Ich schreie dann so arg laut. Mein Großer reagiert sehr empfindlich darauf - reißt dann immer die AUgen weit auf und schaut sehr eingeschüchtert.
    Ich versuche - abseits von Ruheinseln - an mir innerlich zu arbeiten. Situationen reflektieren - was hat mich getriggert? Hab ich sowas selbst schon mal erlebt, warum schreie ich, etcetc. Hab ein Persönlichkeitsseminar dazu gemacht und auch ein Gespräch gehabt in einer Einrichtung für Eltern, wo ich gemeinsam mit jmd formuliert habe, warum ich mit meinen Reaktionen unzufrieden bin und was meine Ziele sind.
    Ich finde es gibt keine Allgemeinlösung - aber mir hilft das "mit mir beschäftigen" sehr viel!
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